Sonntag, 19. Januar 2014

Kindergarten? Wo ist mein Baby hin???

Letzten Sommer habe ich die Anmeldung für den Kindergarten für meine große Prinzessin abgegeben. Dieser Kindergarten begleitet mich schon seit langer Zeit, weil ich dort (vor einem halben Leben) mein Schülerpraktikum gemacht habe, dann war mein kleiner Bruder da und ich habe ihn regelmäßig abgeholt und auch später war ich einmal im Jahr zu Besuch, weil mein Verein immer Musik für den St. Martinszug gemacht hat.
Für mich kam deshalb nur dieser Kindergarten in Frage (auch wegen der einzigen 35-Stunden-Block-Betreuung im Ort, mit täglich flexiblen Mittags- oder Nachmittags-Abholmöglichkeiten). Meine Erzieher-Freundin hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich ihr berichtete, dass ich mich für den katholischen Kindergarten mit den "veralteten Konzepten" entschieden habe und auch keinen anderen in Betracht ziehe. Die Erzieherinnen kenne ich zum Teil von damals und die traditionellen Erziehungsarten sowie die kirchlichen Einflüsse finde ich genau richtig. Wer braucht schon 30 verschiedene Themenräume, superschlaue Konzepte und die neueste Ausstattung, wenn das Kind z.B. am liebsten malt, mit Puppen spielt oder im Matsch wühlt. Ich möchte meine Kinder einfach nur für 4-5 Stunden abgeben, damit sie mit anderen spielen können und etwas soziales Miteinader lernen. Dafür ist der genau richtig!


Förderung und Lernen sollten, meiner Meinung nach, in der Verantwortung der Eltern liegen. Denn mal ganz realistisch betrachtet, hat ein Erzieher (bei 2-3 Erziehern auf 20-25 Kinder) doch garkeine Zeit, sich täglich intensiv mit jedem Kind zu beschäftigen oder überhaupt dauerhaft ein Auge darauf zu werfen. Ich war damals in einem Dorfkindergarten mit nur einer Gruppe und dort hat man gemalt, "Mutter-Vater-Kind" gespielt, auf dem Hof Sandburgen gebaut und Lieder gesungen und ich bin dadurch weder geistig verkrüppelt, noch habe ich andere Defizite durch mangelnde Förderung im Kindergarten zurückbehalten.

Ok, jetzt zum Grund meines Postings:

Vor ein paar Tagen habe ich erfahren, dass meine große Prinzessin ab dem 1. August ein Kindergartenkind sein wird!
 
Im ersten Moment war ich froh über die Zusage, weil sie damals beim Kindergarten-Besichtigungstermin sofort angefangen hat zu spielen und die ganze Einrichtung mit großen Augen bestaunt hat (solange wir in Sichtweite waren).
Im zweiten Moment war ich etwas skeptisch, ob es nicht noch zu früh ist, wegen dem ängstlichen, geradezu panischen Verhalten, wenn sie mich, auch in gewohnter Umgebung, z.B. beim Kinderturnen, aus den Augen verliert.
Dann, im Laufe des Tages, bin ich etwas rührselig und traurig geworden. Mit der Zusage ist gleichzeitig die Erkenntnis gekommen, dass meine große Prinzssin wirklich schon eine GROSSE Prinzessin ist. In 3 Monaten wird sie schon 3!!! Mein kleines Baby, das ich nicht aus den Armen legen konnte. Mein Mäuschen, das tapsig, mit erhobenen Armen, die ersten wackeligen Schritte gemacht hat. Mein Frechmopsi, die jetzt klettern, hüpfen Laufrad und Roller fahren, malen, puzzeln und so viele andere Sachen kann. Unfassbar, mein Baby ist weg!!! 


Im Mai ist schon die Vorbesprechung, wo die Eltern über alle relevanten Sachen informiert werden und dann nur noch ein paarmal schlafen und schon gebe ich meine große Prinzessin täglich in mehr oder weniger fremde Hände und der Ernst des Lebens für sie beginnt.
3 Jahre Kindergarten, dann kommt schon die Grundschule, dann (hoffentlich) Gymnasium oder Gesamtschule, dann das Abi und mein kleines Baby geht in die Disco, macht den Führerschein und bekommt irgendwann selbst ein Kind ..... und ich bin einfach nur alt.

Wie ihr seht, ist aktuell ein wenig Weltuntergangsstimmung und ich kann mich nur ein ganz kleines bisschen damit trösten, dass ich bald eine ganz tolle Kindergartentasche, einen Turnbeutel und die ein oder andere Tobe-Hose herstellen darf/muss, um meine große Prinzessin anständig in ein Kindergartenkind zu verwandeln.




Kommentare:

  1. Süß, wie du dir den Kopf zerbrichst! Aber ich kann dich verstehen. Mein jüngster wird im Februar erst zwei, doch ich weiß, dass das nächste Jahr so schnell vergehen wird und er dann auch in die KITA kommt. Dann werden sicher wieder Tränen fließen.. bei der Mama! (ja, ich oute mich!) *schnief* ...aber ich habe ja noch ein ganzes Jahr Zeit mich zum mittlerweile dritten Mal seelisch darauf vorzubereiten! *lach*
    In diesem Sinne.. "Viel Erfolg! bei der "Übergabe"! Daumen hoch! LG zocha

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    1. Ohje, dann genieß dein letztes Jahr in Freiheit mit deinem Zwergi.

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  2. Ich hab gerade deinen Post gelesen und kann deine Gedanken auch gut nachvollziehen. Unser Kleiner kommt ebenfalls ab August in den Kindergarten, dabei wird er im Februar erst ein Jahr alt. Und auch wenn ich bei der Wahl der Kita ein gutes Gefühl habe und mir zudem sicher bin, dass er dort gut klar kommen wird, fühlt es sich doch komisch an.
    Ein schönes Wochenende
    Gesa

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