Freitag, 13. Dezember 2013

Muttergefühle Ping-Pong


Heute kommt mal nichts kreatives oder lustiges, heute wird mal ein ernstes Thema angesprochen. 
Ich habe gestern Abend beim Surfen auf dem Blog von mamahoch2 einen Beitrag zum Thema Depressionen gelesen und finde die Offenheit, mit der das Thema angegangen wird, ganz wunderbar. Eigentlich wollte ich nur einen Kommentar unter dem Beitrag hinterlassen und dann bin ich so ins Schreiben gekommen, dass der Kommentar einfach zu groß war und nicht abgeschickt werden konnte. Darum möchte ich einfach hier meine Geschichte erzählen:


Ich hatte bei meiner ersten Tochter "eigentlich" keine Probleme. Das Stillen war zwar schmerzhaft und zu Beginn sogar blutig, aber mein persönlicher Ehrgeiz diesbezüglich und der wirklich tolle Ratgeber "Das Stillbuch" von Hannah Lothrop, hat mich in der schweren Anfangszeit durchhalten lassen (ich habe gestillt, bis meine Große 1 Jahr und eine Woche alt war). Alles war schön, bis auf den Haushalt, der sich nach und nach in einen Saustall verwandelte, weil ich einfach nicht in der Lage war, mein Baby abzulegen und es 5 Minuten aus den Augen zu lassen. Aber ich habe zum Glück garnicht den Anspruch an mich gestellt, perfekt funktionieren zu müssen. Ich wollte einfach keine Sekunde verpassen von dem Baby, das ICH gemacht habe. So etwas perfektes, mit so weicher Haut, so schönen winzigen Fingern und Zehen ... Aber nach einer Weile konnte ich mich dann doch trennen, zumindest wenn sie geschlafen hat, und es ging wieder aufwärts mit Putzen, Waschen, Kochen. Natürlich durfte ich mir dann von der älteren Generation anhören, dass man das Kind zu sehr verwöhnt und man es auch mal schreien lassen muss und all die schönen Ansichten von früher, aber das war mir egal, weil mein Kind glücklich war und ich auch.

Mein "Problem" war eigentlich das zweite Kind. Die Geburt war wunderschön, ganz entspannt und wenn ich Leuten davon erzähle bekomme ich glasige Augen, als würde ich ein wunderschönes Märchen erzählen. Sobald sie rausgeplumpst ist (Vierfüßler in der Wanne) habe ich sie unendlich geliebt, obwohl ich von vielen gefragt wurde, ob man tatsächlich noch ein Kind so stark lieben kann - JA, MAN KANN!!!. Die Zeit im Krankenhaus habe ich genossen und habe sogar einen Tag länger da verbracht, weil ich irgendwie wusste, dass es für lange lange lange Zeit die letzten ruhigen Tage mit meinem neuen Baby sein würden. Wehmütig über die kostbaren verstreichenden Stunden, war ich außerdem traurig, weil meine erste Prinzessin mit 18 Monaten zum ersten mal ohne mich auskommen und zu Hause, ohne ihre Mama schlafen musste. Ich war auch traurig darüber, dass ich beim Krankenhausbesuch nicht einfach beide mit gleich viel Aufmerksamkeit beschenken konnte und irgendwie das Gefühl hatte, beiden nicht gerecht zu werden. Wenn ich ein Kind auf dem Arm hatte, war das andere "Mutterlos"....

Zu Hause wurde es viel schlimmer. Das Baby war sehr ruhig und geduldig und das musste es leider auch sein. Sie wurde ständig in den Kinderwagen oder den Laufstall abgelegt, sobald die Augen zu waren, oder unter dem Mobile geparkt, wenn sie wach war. Sie musste in den ersten 2 Wochen schon mehr allein rumliegen, als meine Große in 3 Monaten. Meine Große wollte aber schließlich auch Mama-Zeit haben und ich wollte sie ihr natürlich gerne geben. Ich habe also ständig im Hinterkopf gehabt, dass ich mein armes Baby vernachlässige und liegen lasse und es emotional verkrüppelt, weil die wichtigen Stunden der Zweisamkeit einfach fehlen. Aber ich konnte die Große ja nicht nicht den ganzen Tag sich selbst überlassen, oder sie vor dem TV abstellen. Außerdem wollte ich die Sache mit dem Haushalt diesmal auch richtig machen, zumindest so viel, dass meine Große gefahrlos durch die Wohnung toben konnte. Mit einem Kind konnte man einfach sagen "Heute ist ein toller Tag, um einfach garnichts zu machen", aber wenn da noch ein Zwerg im Haus ist, der essen, angezogen und gewickelt werden möchte, geht das nicht mit dem entspannt zurücklehnen.
Wenn die Kleine dann geweint hat, habe ich meine Große "ignorieren" müssen um dem schreienden Baby zu Hilfe zu eilen. Dann habe ich wiederum im Kopf gehabt, dass meine arme große Prinzessin wegen dem Baby vernachlässigt wird und bestimmt ganz traurig ist, weil Mama keine Zeit hat und lieber mit dem Baby rummacht.
Den ganzen Tag habe ich einfach nur ein seelisches Muttergefühle Ping-Pong gespielt und egal, mit welchem Kind ich mich beschäftigt habe, das andere war in meinen Augen das vernachlässigte, ausgestoßene, ungeliebte, ...

Es hat lange gedauert, bis ich mich mehr oder weniger damit abgefunden habe, dass es einfach unmöglich ist, beiden Kindern rund um die Uhr die volle Aufmerksamkeit zu widmen. Genauso musste ich lernen, dass ich auch ab und zu mal Zeit für mich brauche und es auch nicht schlimm ist, wenn eine oder beide, einen Nachmittag bei der Oma verbringen. 
Trotzdem erwische ich mich ab und zu noch bei dem Gedanken, eine schlechte Mutter zu sein, weil ich mal schimpfen muss, oder weil ich ein Kind bei seiner Lieblingsbeschäftigung (Spielküche oder Puzzle) "parke", um mich mit dem anderen zu beschäftigen, etwas für mich oder den Haushalt zu machen. Oder, weil morgens der verpönte Fernseher herhalten muss, um die Kinder kurze Zeit zu bändigen, damit ich mich wenigstens fertig machen und anziehen kann.
Ich glaube es wird niemals komplett aufhören mit dem schlechten Gefühl, aber ich hoffe einfach, dass sich das Abschiebeproblem von selbst löst, wenn sie größer werden und zusammen spielen oder einfach beide das gleiche mit Mama machen können ....

Ich weiß nicht ob das jetzt für jemanden hilfreich war, aber ich wollte aufzeigen, dass man nicht nur beim ersten Kind Probleme haben kann. Als Mutter hat man leider nicht nur den Anspruch der Umwelt zu genügen, sondern auch noch sich selbst, dem Partner und den Kindern. Für mich persönlich ist das jeden Tag die größte Herausforderung und wenn ich von ehemaligen Kollegen gefragt werde, wie es ist, zu Hause zu sein, sage ich nur „Arbeiten ist ein Witz dagegen!“ Und so ist das auch. Auf der Arbeit hast du irgendwann Feierabend, als Mutter NIEMALS MEHR und trotzdem wäre Familie immer die erste Wahl, auch wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte. Jobs kommen und gehen, aber die Liebe zu deinen Kindern, die Zeit sie aufwachsen zu sehen und das "zurück geliebt werden" sind jede Arbeit, jede Träne und jede durchwachte Nacht wert!

Falls das hier jemand liest, würde mich einfach mal interessieren, wie ihr euch gefühlt habt, so in den Kampf als Mehrfach-Mami hineingeworfen zu werden. Habt ihr auch Muttergefühle-Ping-Pong gespielt, oder habt ihr das ganz locker genommen?


Kommentare:

  1. Hi, ich bin durch die Meitlisache auf deinen Blog gestoßen. Und ich finde es schade, dass hier noch kein Kommentar steht, also schreibe ich dir kurz :-) Danke für den langen, ernsten Post! Mir ging/geht es genauso. Ich bin zwar "nur" Einfach- Mami (die Kleine ist fast 3), aber von Anfang an hatte ich diese Gedanken, wenn es darum ging, dass ich einfach mal Zeit für mich brauchte oder körperlich nicht mehr konnte. Erst sehr spät habe ich gemerkt: Es ist für meine Kleine überhaupt nicht schlimm gewesen, sich mal alleine zu beschäftigen!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für deinen Kommentar! Schön zu lesen, dass ich diesbezüglich nicht die einzige Bekloppte bin :-)
      Jetzt in der Vorweihnachtszeit, wenn es Dinge zu erledigen gibt, die Kinder nicht sehen sollen *g*, gebe ich die Große regelmäßig zur Oma und sie findet es ganz toll dort wenn sie exklusiv bespaßt wird, Kekse backen darf, mit dem Hund Gassi gehen kann usw. Manchmal ist es beim Abholen sogar ein bisschen traurig, weil sie garnicht mitkommen mag, sondern lieber da bleiben möchte. Aber das zeigt mir ja nur, dass es ihr da gut geht.
      Also, "mehr Zeit für Mami" lautet die Devise :-)

      Löschen
  2. Huhu,

    ich habe deinen Link unter unserem Beitrag gerade erst entdeckt! Sorry!
    Du hast es wunderbar geschrieben! Ich habe ja kein 2. Kind! Aber totzdem denke ich heute auch noch oft ich sei keien gute Mutter! So ganz verwunden und überwunden habe ich die ganze Zeit auch noch nicht! Sonst würde man soetwas nicht mehr denken! Aber wir schaffen das!"!!!!!!! GLG Bianca von mamahoch2

    AntwortenLöschen

Ich freue mich sehr über jeden kleinen oder großen Kommentar...